Geschichte der Zwerg-Cochin

Die Zwerghuhnzüchter schenkten ihre besondere Aufmerksamkeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts dem riesigen Land China und dessen Hauptstadt Peking, denn ihre Phantasie wurde durch ein kleines, gelbes, mit Federfüßen versehenes Hühnchen beflügelt.

Die Zwerg-Cochin, soviel ist uns heute deutlich bewußt, düften wohl die älteste aller Zwerghuhnrassen aus dem asiatischen Raum sein und wohl das gleiche Alter haben wie die Chabos aus Japan. Heute ist es eine unumstößliche  Tatsache, dass die Zwerg-Cochin zu den ureigensten Zwerghuhnrassen gehören, was bedeutet, dass diese Rasse nicht aus der Großrasse herausgezüchtet wurde. Für diese Rasse gibt es kein Gegenstück.

Im Januar 1885 kam ein Dutzend gute, gelbe Peking-Bantam aus Ostindien in Londan an. Die Herren Entwisle und Walton verteilten sie unter sich. Das ist eigentlich alles, was wir über die ersten Anfänge der Zwerg-Cochin in England wissen.

Ein mutiger Züchter, der auch die finanzielle Basis hatte, brachte im Jahr 1886 die ersten Zwerg-Cochin nach Deutschland. Es war der Hofdruckereibesitzer Max Richard Liepsch aus Dresden, der für 1,1 gelbe Tierchen aus England die für damalige Zeit ungewöhnlich hohe Summe von 1200 Mark zahlte.

Mann muss noch wissen, dass es keine Tiere aus Originalimporten aus China waren, sondern dass sie aus Kreuzungen hervorgingen. Es waren also Bastarde und keine Reinzucht. Diese Tiere zeigte Max Liepsch bei einer Leipziger Schau als gelbe Zwerg-Cochin aus englischer Zucht. Dann kam das große Unglück, denn schon nach kurzer Zeit ging von dem teuer erworbenen Zwerghuhnpärchen das Hähnchen ein. Dies berichtete uns zu einem späteren Zeitpunkt der Direktor Alfred Beeck von der Lehr- und Versuchsanstalt in Halle-Cröllwitz. Er war es auch, der Max Liepsch aus seiner großen Not half, denn er hatte aus England von einer Züchterin einen Satz Bruteier für 52 Mark gekauft und zog daraus fünf muntere Zwerg-Cochin. Diese Küken verkaufte er Max Liepsch, so dass dieser seine erste Zwerg-Cochin-Zucht in Deutschland planmäßig beginnen konnte.

Die Zucht der Zwerg-Cochin wurde in Deutschland mit großer Begeisterung aufgenommen, die es auch bald mit der englischen Zucht aufnehmen und mit ihr wetteifern konnte. Es folgten auch bald weitere Farbenschläge.

In Deutschland wurden die Zwerg-Cochin erstmals von Heinrich Marten in einer Rassebeschreibung  erwähnt. Dort lesen wir, dass die Bezeichnung "Zwerg-Cochin" in Deutschland jetzt allgemein gebräulich und ohne Zweifel auch richtig sei. Marten stellte weiter fest, dass die Zwerg-Cochin jetzt in sämtlichen Farben den großen Cochin in der Qualität kaum nachstehen würden.

In Dunkel gehüllt bleibt auch die bis heute ungeklärte Enstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Peking-Bantam, einer Zwerghuhnrasse, die der westlichen Welt bis 1860 unbekannt war. Zwerg-Cochin oder Peking-Bantam, wie sie anfängliche genannt wurden, gab es nach unseren Feststellungen nur in den kaiserlichen Gärten, den Sommerpalästen in Peking. Als Lieblingshühner des Kaisers genossen sie den Vorzug, in aller Freiheit in den ausgedehnten Sommergärten liebevoll betreut und gepflegt zu werden.

In allen Berichten über das erstmalige Auffinden dieser Zwerghühner lesen wir in einer gewissen Übereinstimmung, dass es englische und französische Truppen waren, die im Jahr 1860 bei der Zerstörung des Sommerpalastes des Kaisers erstmals auf diese zutraulichen Zwerghühnchen trafen. Als dann Kriegsbeute gesammelt wurde, um diese nach England zu senden, wurde für die Königin von England ein Pärchen Zwerghühner als Requisitionsgut beigefügt.

Die Tierchen erregten besonders Aufsehen, weil sie hinsichtlich der Form und dem gesamten Gehabe ganz anders waren, als die bisher bekannten kleinen Hühnerrassen. Die Engländer waren berauscht von der gelben Gefiederfarbe. In England wurde mit den requirierten Tieren zunächst einmal gezüchtet und die Nachzucht im Jahr 1863 in London erstmals ausgestellt. So wurde die Kriegsbeute aus Peking zum Urstamm aller Zwerg-Cochin. Leider wurden die Hühnchen und die nachfolgenden Generationen zu lange ingezüchtet, was sich dann auch nachteilig bemerkbar machte.

Zwei Züchter der Peking-Bantam griffen daher zur Selbsthilfe und kreuzten in ihr vorhandenes Tiermaterial eine lederfarbige Zwerghenne ein, deren Rassezugehörigkeit als Nanking-Bantam bezeichnet wurde. Durch diese Einkreuzung wurde die schwache Konstitution der Tiere zwar verbessert, aber wertvolle Rassemerkmale gingen dabei verloren.

Die Ähnlichkeit zwischen den Peking-Bantam und den großen Cochin in Farbe, Form und Befiederung sei bei ihrem ersten Auftreten so groß gewesen, dass man es allgemein als selbstverständlich annahm, dass die Peking-Bantam aus den großen Cochin durch Inzucht und knappe Fütterung herausgezüchtet wurden. Doch dies traf für die Peking-Bantam keineswegs zu. Bei den Peking-Bantam handelte es sich um eine neue, bisher in Europa unbekannte Zwerghuhnrasse. Die Auffassung vieler Geflügelexperten, dass es sich bei den Peking-Bantam um eine Verzwergung der Großrasse handle, hielt sehr lange an.

Auszüge von Bild- und Textmaterial entnommen aus: Zwerg-Cochin von Paul Doll, erschienen im Verlagshaus Reutlingen, Oertel+Spörer. Das Buch ist über den ISV zu beziehen, mehr auf der Seite "suche+biete"